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4. der Wenden in Meklenburg im 16. Jahrhundert, von G. C. F. Lisch. In den Jahrb. I, S. 7 und II, S. 177 ist zur Sprache gekommen, wie noch zu Marschalks Zeiten in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in Meklenburg in der Jabelheide (zwischen Ludwigslust und Dömitz) wendische Sprache und Sitte herrschte. Trotz aller Nachforschungen hat aber nichts entdeckt werden können, was nach Marschalk nur einige Auf= |
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klärung über diese wendische Völkerschaft der Jabelheider geben könnte. Das einzige Sprachdenkmal der meklenburgischen Wenden soll, außer den einzelnen, in den ältern Urkunden vorkommenden Wörtern, das Vater Unser sein, auf welches Beyer nach Rango aufmerksam macht. Schon Franck A. u. N. M. I, S. 215 theilt es aus Latomus mit, der es sicher aus Lazius hatte, aber in sehr corrumpirter Form; er vergleicht es mit dem Vater Unser der letzten Wenden im Dannebergischen zu seiner Zeit. Es ist mir gelungen, den Lazius zu erhalten und ich theile hier zur Erleichterung künftiger Forschungen das mit, was er giebt. Der Titel des Buches ist:
Am Ende steht:
Die Zeit der Herausgabe des Buches (1557) steht also der marschalkschen Zeit nahe genug. Es heißt nun in demselben S. 787:
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Lazius, der slavischen Dialekte kundig, fügt auch S. 788, nach seinen etymologischen Ansichten, gleich eine Erklärung 1) hinzu, welche ihm jedoch aus den slavischen Dialekten nicht recht glücken will.
1) Die Abweichungen der Wortformen in dieser Interpretation von denen im Texte finden sich auch in der Original=Ausgabe. |
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Woher Lazius dieses allerdings interessante Monument habe, sagt er leider nicht. Jedoch mag er noch gute Quellen gehabt haben, da er den Abriß der meklenburgischen Geschichte, nach S. 820, noch zu den Zeiten der Herzoge Heinrich des Friedfertigen und Albrecht des Schönen schrieb (qui hodie rerum ea in provincia potiuntur, Henricus et Albertus, - - et Henricus nostro seculo inter omnes imperii principes senior censetur, Albertus statura maximus etc.). Jedoch lassen die wenigen Erläuterungen, welche die slavischen Dialekte gewähren, vermuthen, daß dies V. U. nicht rein wendisch sei. Schon Adelung, Mithridates II, S. 688 ist der Meinung, daß es lettisch sei, und auch Burmeister zweifelt an dem wendischen Ursprunge desselben. Dieses Denkmal käme also für unsere wendische Geschichte nicht in Betracht. Dagegen mögen hier für künftige Forscher |
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diejenigen V. U. aus den Quellen Raum finden, welche von den Wenden im Dannebergischen gebraucht wurden. 1) Das V. U. der dannebergischen Wenden, wie es diese nach Eccard Hist. stud. etym. p. 269 noch im J. 1711 gebrauchten (vgl. Abhandlung Nr. 5.), lautet:
2) Eine andere Ueberlieferung bei Potocki Voyage (1795, p. 36.) aus der Gegend von Lüchow lautet:
3) Eine dritte Ueberlieferung aus dem Dorfe Bülitz, A. Lüchow, aus dem Anfange des v. Jahrh. findet sich in Spiels Neuem vaterl. Archiv von Spangenberg, II, 1822, S. 219:
4) Eine vierte Ueberlieferung gibt nach Leibnitz Coll. etym. noch Adelung im Mithridates II, S. 688 flgd. mit folgenden Bemerkungen: Das Vater Unser, welches Wolfg. Lazius de migrat. gentium. B. 12, p. 787 für meklenburgisch=wendisch ausgiebt, welches zu seiner Zeit ohnehin längst ausgestorben war, ist rein lettisch. In Pommern starb der Letzte, der noch |
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Wendisch reden konnte, bereits 1404. Nur in den lüneburgischen Aemtern Danneberg, Lüchow und Wustrow hatte sich bis auf die neuern Zeiten ein Haufe von dem obotritischen Hauptstamme erhalten, welcher noch Wendisch redete und dachte, obgleich sehr mit dem Deutschen vermischt, wie aus den folgenden Formeln erhellet. Man nannte sie gemeiniglich Polaben, von dem slavischen po: an, bei, und Labe: die Elbe; allein mit Unrecht. Die eigentlichen Polaben wohnten um Ratzeburg an der Elbe, und sind weit früher ausgestorben. Die jetzt gedachten hießen Linonen, von der Leine, slavisch Linac. Sie waren noch in der letzten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts in ihrem Wesen vorhanden; allein da die Beamten unaufhörlich an dem Untergange ihrer Sprache arbeiteten, so ist sie nunmehr völlig ausgestorben, und die Einwohner reden jetzt ein eben so verderbtes Deutsch, als ehedem verderbtes Wendisch. (Man sehe von ihnen: Jo. Leonh. Frisch 4tes Programm; Jo. Ge. Eckhards historia studii etymologici, S. 268; Leibnitz's Collectanea etymol. Th. 2, S. 335; die Hamburg. vermischte Biblioth. Th. 2, S. 794, wo sich eine Sammlung von mehr als 300 Wörtern aus den Papieren eines Predigers im vorigen Jahrhundert in der Grafschaft Danneberg zusammengesucht von J. D. Domeier, findet; die Hannov. gelehrten Anzeigen 1751, S. 611; 1752, S. 1137; des Grafen Jean Potocki Voyage dans quelques parties de la Basse=Saxe, wo überall auch Sprachproben geliefert werden. Mit dem letztern muß man die allgem. Litterat. Zeit. 1798, No. 327, verbinden. In dem Vocab. Petrop. befinden sich, Nr. 8, auch polabische Wörter, wo aber von 185 an nach Dobrowsky's Bemerkungen größtentheils lausitzische Wörter für polabische gegeben werden, welches Alter, der diese Wörter in seinen Miscellan. S. 203 wiederholt, nicht gewahr geworden ist. Auch haben weder er, noch der Sammler des Vocab. Petrop. Pfeffingers Wörtersammlung im Eckhard gekannt, welche unstreitig die beste und vollständigste ist.) Nach Domeiers und andern Wörtersammlungen näherte sich diese Sprache, so wie die lausitzische, dem Polnischen, hat aber doch ihre Eigenheiten. Der polnische Rhinismus, z.B. Runha: Hand, für Ruka, herrscht durchgängig. Den Vorschlag w vor einem o haben sie mit den Böhmen und lausitzer Serben. Zum Andenken will ich die Formeln, welche man uns von ihnen aufbehalten hat, und welche nach den besondern Mundarten sehr abweichen, mittheilen. Die erste steht auch, aber sehr fehlerhaft, in der leipziger Sammlung S. 34, woraus sie auch Alter S. 198 wiederholet, ohne das Fehlerhafte zu bemerken. Die Formel in Potocky |
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Voyages S. 369 ist aus der neuesten Zeit, da die Sprache schon erloschen war, und daher nicht allein fehlerhaft aufgefaßt, sondern auch mangelhaft; daher ich sie übergehe. Man sehe indessen Alter's Miscellan. S. 139. (Nach G. F. Mithof, Prediger zu Lüchow, 1691, in Leibnitz Collect. etymol. Th. 2, S. 339.) 1. Noos Wader, tada tö jüs wa tuem Nibisien, 2. Sioncta mo-wardoot tüi Seimang (lege: Jeimang); 3. Tüi Rieck cumma; 4. Tua Willia mo-ssa schiniot wa Nibisjen, eak wissei soquoi noo Ssime, 5. Noossi daglitia Sjeibe dii nam daans; 6. Un wittodüman (lege: witto-dünam) noosse Greichie, cook moy wittodujeme noossume Greihynarim; 7. Ni farforii nas wa Versoikung; 8. Erlösü nas wil tigge Goidac. Hamen. |
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